Ein Mühlstein lag auf einer Klippe

und sagte traurig zum Gerippe,

das neben ihm am Abgrund saß:
 

“Kein Mensch will sich je an mich binden!

Ich werd den Richtigen nie finden

und bleib auf Ewigkeit allein.”
 

Darauf erklärte das Skelett:

“Für einen Stein bist du echt nett –

und für dein Unglück kannst du nichts.
 

Soll ich dir sagen, was ich sehe?

Die Menschen dulden keine Nähe.

Glaub mir – ich weiß wovon ich sprech.
 

Wenn ich nachts durch die Stadt flanier,

sind alle auf der Flucht vor mir –

und wenn ich kuscheln will, erst recht!”
 

Der Knochenmann, er schluchzte leise.

Der Mühlstein ächzte tonnenweise

und rückte schließlich etwas auf.
 

Er flüsterte: “Ich find dich toll!

Na gut, dein Haar ist nicht mehr voll,

doch hast du eine Top-Figur!
 

Dir pfeift bloß keiner hinterher –

denn das macht schon der Wind, wenn er

dir zärtlich durch die Rippen streicht.”
 

Da strahlte das Skelett vor Glück.

Es näherte sich auch ein Stück,

dann fielen sie sich um den Hals.
 

Sie schworen Treue, Stein und Bein,

und waren fortan nicht allein –

sie ließen einfach nicht mehr los.
 

So groß war schließlich ihr Verlangen –

sie gingen an den Rand und sprangen.

So waren sie glücklich bis zum Schluss.

Über den Autor

Stefan

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