Liebes Internet,

Ich schreibe dir diesen Brief, weil die Email, die ich dir geschickt habe, prompt zurück kam. Deinen Einwand, dass ich sie an eine No-Reply-Adresse geschickt habe, kann ich nicht gelten lassen, denn ich lese deine Emails ja auch.

Und dein Online-Formular kannst du dir getrost wo hinstecken: Ich habe weder die Zeit, stundenlang deinen Link zu suchen, noch Lust, mir von dir vorschreiben zu lassen, worüber wir reden können. Kannst du dir eigentlich vorstellen wie deprimierend das ist, wenn alles, was man dem anderen sagen will, unter “Sonstiges” fällt?

Denn was ich dir sagen will, ist dass es aus ist mit uns. Aus und vorbei!

Meine Freunde haben gleich geahnt, dass du nur auf mein Geld aus bist – aber ich wollte das nicht wahr haben. Inzwischen habe ich keine Freunde mehr. Wozu auch. Du erzählst mir ja ohnehin, was die so treiben. Da bist du völlig schmerzfrei.

Zu unserem Jahrestag hast du mir dann kommentarlos eine Rechnung geschickt. Geht’s eigentlich noch?!

Ich dachte, wir sind ein Team.

Und mein Geburtstag? Ich habe mich gefreut, dass du überhaupt daran gedacht hast – aber nach der dritten Mail hatte ich dann doch ein mulmiges Gefühl. Als du dann noch 20 weitere geschickt hast, habe ich begriffen, dass ich dir völlig gleichgültig bin.

Du hast dich sehr verändert, weißt du.

Hattest du das Geld wirklich so nötig?

Ich dachte, es geht dir gut. Selbstverständlich mache ich mir auch Vorwürfe – ich hätte besser auf dich aufpassen müssen.

Deine Monologe werde ich nicht vermissen. Klar weißt du sehr viel, aber das meiste weißt du einfach nur besser. Und soll ich dir noch was sagen: Ich denke, das wird immer schlimmer. Du solltest dich echt mal ansehen lassen.

Natürlich hatten wir auch schöne Zeiten, aber das ist lange her. Ich mochte dich damals, wirklich. Wir waren jung und haben viel Blödsinn gemacht zusammen. Das eine oder andere habe ich auch von dir gelernt. Aber inzwischen geht mir dein Gequatsche nur noch auf den Sack.

Merkst du eigentlich, dass du mich ständig unterbrichst? Und dabei habe ich noch nicht mal das Gefühl, dass du was zu sagen hast. Wenn du mich nicht gerade mit uninteressantem Müll zuschüttest, redest du mir nach dem Mund.

Hast du überhaupt eine eigene Meinung?

Unser Verkehr ist auch nicht mehr wie früher.

Und du? Du schreibst mir, ich soll mir Viagra kaufen! Ich bitte dich – als ob es an mir liegen würde.

Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass wir nicht mehr miteinander reden?

Ich kann dir alles anvertrauen, hast du gesagt. Was du nicht gesagt hast, ist dass es am nächsten Tag die ganze Stadt weiß.

Und nein, das hätte ich nicht wissen müssen. Aber darum geht es auch nicht.

Ich dachte, du liebst mich.

Wenn ich etwas wissen will, bekomme ich von dir keine Antwort. Statt dessen gibst du mir eine Liste mit Fragen, die dir andere gestellt haben. Ist dir schon mal aufgefallen, dass das alles nichts mit mir zu tun hat?

Meine Therapeutin hat mich vor dir gewarnt. Du entsprichst meinem üblichen Beuteschema, hat sie gesagt. Dabei bist du der schlimmste Narzisst von allen! Ohne Bestätigung geht bei dir gar nichts, oder? Cookies, Adressen, Newsletter, Nutzungsbedingungen, Datenschutzkram… – einfach nur uferlos.

Kommst du echt nicht alleine klar?

Und dann sollen immer alle nach deiner Pfeife tanzen. Was ist denn bitte mit meinen Geschäftsbedingungen?! Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du ein verdammter Kontrollfreak bist?

Und kann es sein, dass du mir nachspionierst?? Wozu, frage ich mich – denkst du echt, dass ich dich mit einem anderen Internet betrüge?

Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, sollte man dem anderen doch irgendwann vertrauen – oder es lassen. Findest du nicht?

Und warum müssen wir abends immer diese Pornos sehen?

Ich wollte wirklich, dass zwischen uns wieder alles gut wird. Ich habe unser Problem auch recherchiert. Ich habe mir sogar die Bücher bestellt, die du empfohlen hast, aber ich bin noch nicht dazu gekommen. Im Ernst, wer hat schon die Zeit, über 3000 Bücher zu lesen?

Gut, jemand ohne geregelte Arbeitszeit vielleicht.

Jemand so wie du.

Vielleicht solltest du dir mal einen Job suchen: Irgendwas Praktisches – Bauarbeiter oder so. Oder Fischer. Ein Netz hast du ja schon. Und dann verpisst du dich auf eine einsame Insel – irgendwohin, wo sie noch kein Internet haben.

PS: Ich HASSE Katzen – ich habe die Viecher schon immer scheiße gefunden.

Über den Autor

Stefan

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