Grelles Licht – und immer in Bewegung: Tanzend. Singed. Lachend. Hüpfend.

Der Horizont ein Strich. Zwei Farben Blau.

Grün! Weiden, Wiesen, und Erdbraun. Asphaltschwarz. Kiesweis. Und Marmorbodengrau. Parkettfarben. Fliesenböden.

Nur nicht blau.

Vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück. Der reinste Treppenwitz.

Gleißende Punkte. Wildes Flimmern und Flüstern. Von allen Seiten. Wispern, Raunen, Rauschen. Lachen. Nicht schallend. Ganz sanft. Ein Glucksen. Ganz nah, das Glucksen. Unter ihm. Unter dem Arm.

Er klammert sich noch fester daran. Als ob es dadurch ein Halten gäbe.

Vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück. Verbrannte Arme, und darunter die Holzkiste. Immer wieder. Im Traum. Wenn er die Augen öffnet. Eingebrannt: Die Kiste und die Arme.

Der Rest? Der Bauch, die Beine, die Füße. Aufenthalt unbekannt. Unauffindbar. Seit Tagen weg.

Bloß die Arme.

Er spürt sich nicht mehr. Nur die Bewegung. Vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück. Als ob es ihn nicht gäbe. Als ob er Welle wäre. Sie zu halten würde heißen, verrückt zu werden. Verrückt vor Glück.

Und wieder. Alles! Alles anders, alles klar. Schallendes Gelächter. Aus seinem Mund. Unhörbar. Von wem sonst? Nur ein Wimmern. Wie ein Heulen. Ein Kreischen. Immer, wenn er lacht.

Ein verzweifeltes Quieken. Von wem?

Dörrpflaumen.

Dörrmarillen, Dörrpfirsiche, Dörrtrauben. Dörrmelonen!

Dörrmenschen.

Die Zunge – metallisch, würzig, etwas wie Blut. Schlucken – vergeblich. Zerdrücken. Schaben. Kauen.

Hinabsinken in die endlose Kälte. Geht nicht. Wellen, die ihn festhalten. Ein Beißen und Pochen. Von der Lippe. Als ob er lebendig wäre!

Sein Kopf taucht ein, und plötzlich sind sie da: Die Beine, für einen kurzen Augenblick – beide Beine, und die unfassbare Tiefe.

Etwas streift seinen Finger: Seetang, ein Hai, ein Blatt Papier. Die andere Hand.

Wasser schiebt sich vorbei, kommt nicht wieder. Er kann es nicht halten. Kommt nicht wieder!

Noch ein Alptraum. Er hält es fest, greift danach, zerdrückt es wie Sand. Es umgibt ihn, bedrückt ihn, erstickt ihn. Erwachen – von einem Alptraum in den anderen gleiten. Hände, die durch das Wasser pflügen. Hält es fest. Kann es nicht halten!

Durst? Nicht mehr. Wozu auch.

Kopfschmerzen!

Kälte. Nacht. Nicht mehr schwimmen, nicht mehr schwimmen müssen, sich auch nicht mehr treiben lassen. Aufstehen, klettern, auf das Blau klettern, davonklettern.

Nächte sind ehrlich. Kalt. Friedlich und einfach. Keine Aussicht, keine Hoffnung.

Verfluchter Sonnenaufgang. Nur Lügen. Aufwachen und Land sehen. Alles Lügen. Die Hoffnung stirbt. Zuletzt? Und wann der Rest?

Wie lange? Drei Tage. Vielleicht auch dreißig.

Dann wieder Panik. Ein Fuß. Entgleitet ihm. Eben nicht aufgepasst. Will ihn halten. Kann es nicht. Der Fuß. Zu spät. Immer weiter, immer tiefer, immer kleiner. Von ihm weg.

Muss ihn wieder finden. Kann es nicht. Nicht jetzt, nicht später, nie wieder. Blick nach unten: Das unendliche Nichts. Menge. Masse. Fülle. Sie erschlagen ihn. Er kann es nicht greifen, nicht fassen.
 

Und wieder Sonne. Laugt ihn aus. Trocknet ihn. Tötet ihn. Wie wehren? Wozu wehren? Retten? Welches Leben?

Kommt hier nie mehr raus. War zu lange drinnen. Kein Land, kein Schiff. Ganz allein. Keine Flugzeuge. Keine Wolken. Kein Regen. Nur Blau.

Keine Kraft mehr.

So viele Menschen. Und niemand da. Kein Wiedersehen. Keine Vergebung. Letzte Chance? Die war schon.

Offene Fäden. Für immer offen.

Abschied. Wovon?

Kein Ausmaß. Keine Erinnerung. Kein Begreifen. Nicht haltbar. Vorbei.

Und dabei hätte alles auch anders kommen können.

Hätte es?

Die Liebe. Die es gegeben haben muss. Die Freundschaft. All das. Und der Schmerz. Nun verlassen. Vergessen. Aufgegeben.

Die Wellen lassen ihn los.

Vor den Augen Schwarz. Eine harte Wand. Kalt und rau. Materiell. Glitschig. Das Ende.

Über den Autor

Stefan

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